Zwang.

Jeden Abend stelle ich mir mindestens drei Wecker: Mein iPad, mein iPhone und das Handy von meinem Freund. Ein Wecker geht um 04:30 Uhr, der nächste um 04:32 Uhr und der letzte um 04:34 Uhr. Ich habe Angst. Ja, Angst, ich könnte verschlafen. Dabei habe ich noch nie verschlafen. Trotzdem habe ich Angst davor. Wieso? Ich möchte nichts verpassen. Das wäre ja katastrophal. Bloß nicht.

Ich kann nicht zu spät kommen. Ich fahre immer viel zu früh los. Es könnte ja Stau sein. Ich plane immer die doppelte Zeit ein. Bei dem Gedanken, ich könnte keinen Parkplatz finden oder ich würde in einen Raum voller Leute kommen und alle würden mich anstarren, verunsichert mich.

Ich hasse durchgestrichene Sätze auf meinen Blättern. Ja, ich bin in der Uni derjenige, der seine durchgestrichenen Dinge mit Tipp Ex fein säuberlich wegmacht. Ich hasse Unordnung auf meinen Notizen. Dabei bin ich gar nicht sonderlich ordentlich. Nur auf dem Papier. Keine Ahnung, warum das so ist. Es ist eben so. Ich muss auch zugeben, dass ich zu den Leuten gehöre, die ihr gesamtes Blatt neu schreiben, wenn es doch zu unordentlich geworden ist.

Ohne Make-Up kann ich nicht aus dem Haus gehen. Wenn ich nicht weiß, dass meine gebaute „Fassade“ nicht richtig sitzt, bin ich nervös. Also stehe ich eine Stunde vorher auf und mache mich zurecht. Hinter dem Make-Up kann ich mich verstecken. Ohne Make-Up würde ich mich klein und ungeschützt fühlen. Das geht nicht. Also muss das Make-Up her.

So bin ich eben. Manchmal kann ich einfach nicht aus meiner Haut. In der so perfekten Welt versuche ich mich irgendwie durchzumogeln. Ich versuche mich anzupassen und nicht aufzufallen. ich versuche immer da zu sein, bloß kein Aussehen zu erregen.

Manchmal ist das ganze Leben ein Zwang. Immer diese tollen gesellschaftlichen Normen… du solltest dies nicht haben. Du solltest das nicht tun. Ob ich das selber für richtig halte, spielt keine Rolle. Zweimal das gleiche Outfit, das geht gar nicht. Also muss mindestens jede Woche etwas Neues her. Ob man Geld hat oder nicht, spielt doch hierbei keine Rolle. Hauptsache es sieht so aus, als hätte man Geld. Das so perfekte Make-Up? Warum überhaupt schminken? Ich glaube die wenigsten schminken sich, weil sie es gern tun oder weil sie es für sich tun. Schminken wir uns nicht damit wir nicht aus der Rolle fallen? Oder damit wir uns dahinter verstecken können? Damit die anderen Leute nichts falsches über uns denken? Letztlich muss jeder für sich selbst wissen was er mag und wo er sich wohl fühlt. Dabei sollte ihm eigentlich keine Normen der Gesellschaft wundern. Wie sagt man so schön: Jeder ist anders. Und jeder ist einzigartig, einzigartig perfekt

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Kommentar von Kristina |

Ich denke jeder hat da so seine kleinen Eigenheiten und Macken. Schminken tue ich mich auch immer, wenn ich zur Arbeit gehe (für kleinere Erledigungen finde ich das aber nicht nötig). Allerdings habe ich nicht das Gefühl, das zu machen, um mich dahinter zu verstecken, sondern ich finde mich einfach hübscher so.
Hin und wieder sollten wir uns dann aber doch trauen, ein wenig Imperfektion zuzulassen denke ich ;)
Liebe Grüße ♡Kristina
<a href="http://www.thekontemporary.com/">TheKontemporary</a>

Antwort von Julia

Hallo liebe Kristina, 

besten Dank für deine Gedanken. Du hast absolut recht, manchmal sollten wir ein wenig Imperfektion zulassen :) 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Melanie |

Ein schöner Text und ich habe da einiges mit dir gemeinsam. Zuspät Kommen kann ich nicht, und ich brauche Ordnung. Sogar in meiner Wohnung ist es immer ordentlich und wenn ich etwas aufschreibe, ist es auch sauber aufgeschrieben. Vielleicht hab eich da einen Ordnungszwang. Aber ohne Make Up gehe ich schon mal aus dem Haus :-*

Dein roter Pulli gefällt mir sehr gut. Die Farbe steht dir :-*

viele liebe Grüße
Melanie / www.goldzeitblog.de

Antwort von Julia

Hallo liebe Melanie,

oh danke schön für das liebe Kompliment :) Das ist total witzig, weil ich in meiner Wohnung gar nicht ordentlich bin, nur auf dem Papier :D

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Liebe was ist |

liebe Julia,
es ist herrlich schön zu lesen, wie offen und ehrlich du mit deinen kleinen (ich nennen sie ma liebevoll) Zwangsneurosen bist :)
ich denke, die eine oder andere kommt uns allen bekannt vor. wir sind Menschen und Menschen mögen Muster und Gewohnheiten. das macht uns aus.

bleib so wie du bist!
wünsche dir auch einen wundervollen Sonntag Liebes,
❤ Tina von http://liebewasist.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Tina,

oh das ist so lieb! Vielen Vielen Dank für das nette Kompliment :) Ja, ich glaube in manchen Dingen habe ich schon einen Hang zum Symmetrischen.

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Milli |

Ein sehr persönlicher Beitrag, der wirklich klasse ist. Die Sache mit dem "immer zu früh los fahren" kommt mir sehr bekannt vor. Ich gehöre auch zu den Menschen, die immer viel zu früh losfahren. Aber so ist das eben, jeder hat so seine Macken. Das ist es aber auch was jeden von uns ausmacht.

Liebe Grüße, Milli
(http://www.millilovesfashion.de)

Antwort von Julia

Hallo liebe Milli,

ja, da hast du absolut recht. Diese lustig/komischen Macken sind genau diese Eigenschaften, die uns von der Menge abheben und uns besonders machen. :) 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Sarah-Allegra |

Es ist wirklich schön, so einen offenen und ehrlichen Post zu lesen! Ich erkenne mich da in so einigem wieder, aber wie du so schön sagst, haben wir halt alle so unsere Eigenheiten. Und das ist auch gut so, das macht uns zu Menschen!

Starte gut in die neue Woche, Sarah-Allegra
http://www.fashionequalsscience.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Sarah-Allegra,

oh danke schön für die liebe Nachricht. Genau, die kleine Eigenarten machen uns alle besonders und einzigartig:)

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Sarah |

Liebe Julia,

erst einmal: dein Look ist wunderbar. Ich liebe ja "rot" in dieser Jahreszeit.

Und mit deinem Beitrag triffst du es genau auf den Punkt. Ich steh auch eine Stunde eher auf um mich zurecht zu machen und wenn es dann nicht perfekt ist, dann bin auch ich nervös... auch wenn es kein anderer sieht, das die Haare heute mal nicht so toll sitzen. Man muss sich einfach immer nur vor Augen halten, wie man andere wahrnimmt. Ich achte auch nciht drauf, ob jede Strähne bei anderen richtig sitzt... und weil ich mir das bewusst gemacht habe, bin ich entspannter geworden. Ich bin nicht tiefenentspannt, aber entspannter ;-)

Liebste Grüße,
Sarah von www.vintage-diary.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Sarah,

oh man ja das kenne ich auch. Ich schminke mich beispielsweise nicht mehr wenn ich zur Arbeit muss. Da sieht mich ja eh niemand :) Dann bin ich auch entspannter :) 

Liebe Grüße

Julia